Universität Osnabrück

FB 3, Institut für Sport und Bewegungswissenschaften


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Forschung

Die Forschungsschwerpunkte des Arbeitsbereichs Sport und Gesellschaft widmen sich vor dem Hintergrund der gravierenden gesellschaftlichen Umbrüche vor allem den sozialräumlichen Lernumgebungen bzw. Settings Ganztagsschule, lokale Bildungslandschaften sowie Bewegungs- und Sportanbietern der Kinder- und Jugendhilfe. Diese werden insbesondere aus den Perspektiven (Schulfrei-)Raumgestaltung, informelles Lernen, sozialräumliche Aneignung, Partizipationsförderung und Integration beleuchtet. Alle fünf Themenkomplexe stellen wesentliche Qualitätsmerkmale von Ganztagsschulen, lokalen Bildungslandschaften sowie Sportanbietern in der Kinder- und Jugendhilfe dar. Gleichzeitig tragen sie gemeinsam zum Lernen, zur Sozialisation, Entwicklung, Erziehung und Bildung von Heranwachsenden bei. Die zu beforschenden fünf Themenkomplexe stehen zudem in einem engen Wechselwirkungsverhältnis zueinander und werden im Medium von Bewegung, Spiel und Sport auf Heranwachsende in der Kinder- und Jugendhilfe, im Sportunterricht, in Ganztagsangeboten und in informellen Räumen in Schule sowie Kommune bezogen. Untersuchungen in diesen Bereichen bedienen sich sowohl qualitativer als auch quantitativer Zugänge und sind eingebettet in eine Forschungsheuristik. Zur Erforschung einer spezifischen sozialräumlichen Lernumgebung bietet es sich allgemein an, nicht nur die Bedingungen und Strukturen des jeweiligen Settings zu analysieren, sondern ebenso das Wechselspiel zwischen den darin agierenden Individuen und ihrem soziokulturellem Kontext zu betrachten.

Forschungsheuristik von Engeström (1999) nach Grunert (2012, S. 193)

Um diese Interdependenzen in einer umfassenden Art und Weise zu erfassen, wird das Tätigkeitsmodell von Engeström (1999) aus dem angloamerikanischen Raum als Forschungsheuristik genutzt. In Anlehnung an die „activity theory“ oder Tätigkeitstheorie (im deutschsprachigen Raum vor allem vertreten durch Deinet und Derecik) orientieren sich die Forschungen zu den oben genannten fünf zentralen Themen an vier Ebenen, die in einem komplexen Zusammenhang stehen und u.a. den Kompetenzerwerb von Heranwachsenden beleuchten können (Grunert, 2012).

An die Ausführungen von Grunert (2012, S. 188-204) anknüpfend, kann in der Forschungsheuristik von Engeström (1999) die Individualebene als Ausgangspunkt betrachtet werden, bei der es darum geht die vorhandenen Kompetenzen, biographischen Vorerfahrungen, individuellen Motive und Bedürfnisse sowie die familiale Sozialisation der Subjekte als Rahmenbedingung für Lernprozesse zu rekonstruieren. Auf der Programmebene geht es darum, nach dem konkreten Thema der Aktivität bzw. der Sache zu fragen. Das Forschungsziel ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die objektiven Bedingungen und Strukturen der spezifischen sozialräumlichen Lernumgebung analysiert werden sollen, indem die Ziele der Organisationen und der Zugang zu diesen beschrieben werden. Des Weiteren sollten auf der instrumentellen Ebene das „Wie“ der eigenständigen Aneignung und/oder die angewandten Formen der Wissensvermittlung untersucht werden. Hierbei geht es um die Wechselwirkung zwischen subjektiven Voraussetzungen und objektiven Bedingungen und Strukturen (Themen bzw. der Sache), die vor allem einen Möglichkeitsraum für den Erwerb von Sach- und Methodenwissen darstellen. Dabei werden die kulturellen Werkzeuge und Zeichensysteme, zu denen die zeitlichen, räumlichen und materialen Rahmenbedingungen der Tätigkeit gehören, als Instrumente bezeichnet.

In einer sozialräumlichen Umgebung sind die Instrumente stets sozial und historisch vermittelt. In der Konsequenz sollten die Tätigkeiten auch auf einer sozialen Ebene betrachtet werden, die einen Erfahrungsraum zum Erwerb von Sozialkompetenz bietet. Die soziale Infrastruktur der Tätigkeiten wird durch die Dimensionen der Gemeinschaft, der Regeln und der Arbeitsteilung bestimmt. Unter dem Aspekt der Gemeinschaft geht es innerhalb der Forschungsheuristik darum, die Sozialbeziehungen und die sozialen Interaktionen zwischen den in der jeweiligen sozialräumlichen Lernumgebung agierenden Individuen und deren übergeordneten Orientierungsrahmen zu ermitteln. Um die Struktur der Gemeinschaft präziser erfassen zu können, bietet es sich zudem an, die Regeln der intersubjektiven Beziehungen in den Fokus zu rücken. Dadurch wird gewährleistet, dass das explizite und implizite Wissen der jeweiligen Akteure rekonstruiert wird. Dabei ist es auch wichtig die Arbeitsteilung bzw. die Rollenverteilungen innerhalb der Gemeinschaft zu ermitteln, um die Rolle der Gleichaltrigen wie der Erwachsenen zu bestimmen, aber auch um zu untersuchen wie die Rollenverteilungen entstehen, aufrechterhalten und verändert werden.

Insgesamt verfolgt der Arbeitsbereich Sport und Gesellschaft das Ziel, diverse Fragestellungen aus der Praxis aufzugreifen und größtenteils im Sinne einer Grundlagenforschung zu soziologischen, schul- und sportpädagogischen sowie sportdidaktischen Forschungsfeldern zu bearbeiten. Im Rahmen dieser Ausführungen wird deutlich, dass sich für eine Untersuchung der oben genannten Themenkomplexe innerhalb der entsprechenden Settings verschiedene Forschungsdimensionen ergeben, die für jede einzelne Fragestellung entsprechende theoretische Zugänge und Methoden verlangen. Gleichzeitig wird offensichtlich, dass eine umfassende Analyse der Bedingungen und Strukturen einer sozialräumlichen Lernumgebung und das Wechselspiel zwischen den darin agierenden Individuen und ihrem soziokulturellem Kontext nicht in einem Projekt und auch nicht von einem Arbeitsbereich allein bewältigt werden kann.

Um die jeweiligen Forschungsschwerpunkte des Arbeitsbereichs Sport und Gesellschaft in ihrer Tiefe untersuchen und damit zu umfassenden Erkenntnissen gelangen zu können, ist es unerlässlich Forschungsbeziehungen mit weiteren an diesen Themen interessierten Institutionen und Personen aufzubauen. Im Idealfall werden die jeweiligen Forschungsziele und -ergebnisse unter der beschriebenen Forschungsheuristik in Beziehung gesetzt. Hierfür streben wir an in Netzwerken mit regionalen, nationalen und internationalen Kooperationspartnern zusammen zu arbeiten. Die interdisziplinären Forschungen werden im Sinne einer Förderung und Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Form von Projekten und Dissertationen gestaltet. Des Weiteren wird Studierenden die Gelegenheit gewährt, frühzeitig einen Einblick in aktuelle Fragestellungen zu erhalten und im Rahmen von Forschungsseminaren sowie Abschlussarbeiten an diesen mitzuwirken. Die gewonnen Erkenntnisse sollen innovativ an Studierende, Institutionen und diverse Fachkreise weiter vermittelt werden.

Falls Sie Interesse haben sollten, gemeinsam an einem unserer Forschungsschwerpunkte mitzuwirken oder grundsätzlich über diese Themen und deren praktische Umsetzung zu diskutieren, können Sie uns sehr gerne kontaktieren.